Exhibition Tour: Martin Assig "Atlanten" (1 of 11)
GERMAN PRESS RELEASE:
Martin Assig
"Atlanten"
Mit der Ausstellung ATLANTEN umkreist Martin Assig in Gedanken den Ursprung der Kunst und deren Versuch die Welt zu erklären. OZEAN, KONTINENT, ATLANTEN, die Gruppe der großformatigen Tafelbilder (Enkaustik auf Holz) lassen an den Ursprung der Welt denken, an die Entstehung von Planeten und Meeren.
Lautlos schweben massige Himmelskörper im ornamentalem Raum, der aufgrund seiner Zweidimensionalität an die formale Ästhetik mittelalterlicher Malerei erinnert.
Bedeutungsperspektivisch bannt Assig das Dargestellte in die Fläche und verschiebt nur Gewichte. Die anschaulich einfache Darstellung des Weltalls mit wellenförmigen Strahlungen läßt an die eindringliche Malweise christlich-mittelalterlicher Weltdarstellungen denken. An einer illusionistischen Täuschung ist dem Maler nichts gelegen. Der Versuch schwer abbildbare Erscheinungen einfach darzustellen rührt von einem Bilderglauben, der heute kaum noch existiert.
Der sensible Betrachter öffnet seine Augen gegenüber dieser Bildwelt, die uns fremd geworden zu sein scheint. Er fühlt sich von der stillen Aura der Werke Assigs angezogen und erinnert sich an den Wert, den das Bild als Bedeutungsträger einmal hatte. Martin Assigs Bildwelt ist sinnstark und rätselhaft, auf der Suche nach Wahrheit und nicht nach schnellebiger Abbildhaftigkeit.
Viele Bildideen zu ATLANTEN entsprangen aus der Vorstellung an die Elemente, vor allem an Wasser: "Quelle", "Silbersee", "Eismeer", "Schwimmer", "Eiskopf" - Persönliche Assoziationen des Malers.
Die kleinformatigen Bilder und Papierarbeiten belegen Assigs wiederkehrendes Interesse an Fragmentierung, welches vor allem menschlichen Gliedmaßen und Körperteilen gilt.
Titel wie "Wunde Punkte", "Augenmal" heben das Organische des Menschen hervor und begreifen den Körper als menschlische Hülle. Gewebeähnliche Strukturen, Adern und Kreisläufe ziehen sich wie ein roter Faden durch Martin Assigs Werk und schmücken es in fast dekorativer Weise.
Die vorwiegend monochrom gehaltenen, eine schnelle Vorgehensweise erlaubenden Tuschezeichnungen wirken dagegen wie flüchtige Entwürfe. Sie halten in fast kindhafter Weise die Gedanken des Malers zu Wörtern wie "Gott", "Ring" oder "Hauch" fest.
Das charakteristische der künstlerischen Arbeit von Martin Assig ist die Enkaustik, eine Technik der Wachsmalerei mit 2000 Jahre alter Tradtion. Die Malerei mit heißem, pigmenthaltigem Wachs wurde durch die antiken Mumienporträts der Oase Fayum berühmt, setzte sich in der byzantinischen und orthodoxen Ikonenmalerei fort und ist heute fast ausgestorben.
Assig, der dem Bildnerischen nahesteht, fand im formbaren Wachs ein ungewöhnliches und anspruchsvolles Material, mit dem er bereits Mitte der Achtziger Jahre zu arbeiten begann.
An der Enkaustik reizt ihn der plastische, hervordringende Charakter, der aufgrund seiner Durchsichtigkeit auch Leichtigkeit vermittelt. Eine gelungene Transformierung der Materialien in etwas anderes setzt einen gezielten Formwillen und eine Könnerschaft voraus, die von einer visuellen Idee angetrieben wird.
Der Maler entfernt sich beim Malen immer mehr von seinem Bild, nabelt sich ab und steht diesem nach Vollendung fremd gegenüber. Das Bild enfaltet seine eigene Dimension und wirkt nur noch durch sein Eigenleben - es offenbart sich. Dies ist auch die Intention Assigs, der nach der eigentlichen "Beseelung" des Bildes in den Hintergrund treten möchte.
Man spürt den langsamen Entstehungsprozess dieser Malerei, die Schichten von Wachs, aus denen das Pigment matt hervorleuchtet und welches das Bild schließlich versiegelt und ihm ein unantastbares Wesen verleiht.
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